WWW.MUSIKVERKAUFEN.DE - Die digitale Musikwirtschaft
VORWORT:
Pünktlich um kurz vor acht Uhr abends treffen die Gäste in festlicher Garderobe ein. Als sie nach der Begrüßung die zugewiesenen Plätze auf der Sofagarnitur eingenommen haben, nimmt der Gastgeber feierlich die erste der vier Schallplatten aus dem schön gestalteten Pappschuber, "Album" genannt. Das hatte er vorher in einer Musikalienfachhandlung für 28 Deutsche Mark gekauft; der Betrag entspricht dem damaligen Tagesgehalt eines Volksschullehrers. Für die nächsten zwei Stunden lauschen die Gäste, die Augen in das Libretto vertieft oder andächtig geschlossen, konzentriert den Klängen der herrlichen Stimmen von Irmgard Seefried und Anton Dermota in der Aufnahme von Mozarts "Zauberflöte", eingespielt 1950 von Herbert von Karajan und dem Mozart-Ensemble der Wiener Staatsoper. Unterbrochen wird der Genuss nur gelegentlich vom Austauschen, Entstauben und Wenden der Platten. Vor dem Schlafengehen vermerkt der Gastgeber noch sorgfältig die Teilnehmer und das Datum auf der Innenseite des Albums.
Verglichen mit den heutigen Formen des Musikkonsums mutet das oben beschriebene Ritual, das vor zwei Generationen nicht unüblich war, reichlich bizarr an. Musik ist zur billigen Massen ware geworden. Schlimmer noch - Musik wird kostenlos und an den Rechteinhabern vorbei auf Schulhöfen, am Arbeitsplatz und im Internet "festplattenweise" getauscht. Musik ist, in Form von Klingeltönen, zum Erkennungszeichen auf der Straße geworden. Die digitale Revolution hat es mit der DSL-Flatrate, dem MP3-Format und der 500-Gigabyte-Festplatte zum Preis einer "Rolling Stones"-Konzertkarte ermöglicht, dass schon Schüler in der Sekundarstufe ganze Sammlungen mit Hunderten von Alben (die heißen immer noch so) aller denkbaren Musik genres besitzen - freilich, ohne sie jemals alle anhören zu können.
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Den kompletten Bericht findet Ihr im MUSIKER-Magazin 04/2009




