HARZ IV UND DIE FOLGEN FÜR MUSIKER
Ein Musiker, nennen wir ihn Herbert, muss von Hartz IV leben, weil die Relation zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit immer mehr gen Null tendiert. Einen passenden, besser bezahlten Nebenjob hat er trotz langer Suche noch nicht gefunden, da er nichts anderes gelernt hat als Musik - jedenfalls nicht mit Zertifikat oder Diplom.
Herbert nimmt für 200 Euro einen Gig an. (Kommt ja ab und zu noch vor.) Dafür ist er, mit Übernachtung, 30 Stunden unterwegs, zuzüglich drei Abenden Vorbereitung und Proben. Seine Instrumente darf er selbstverständlich kostenlos mitbringen und die Kosten für Anschaffung, Abnutzung, Wartung, Versicherung etc. tragen. Rechnen tut sich das am Ende des Tages nicht wirklich, und sollte der Gig stressig werden, wofür es ja verschiedene Möglichkeiten gibt, dann wird sich Herbert wünschen, er wäre zu Hause geblieben.
Von den lausigen 200 Euro Gage zieht ihm die "ARGE" dann noch 80 Prozent = 160 Euro wieder ab, die in die Staatskasse zurückfließen (daher der Ausdruck "Abzieher"). Zum Vergleich: Der Spitzensteuersatz für Höchstverdiener liegt bei 42 Prozent.
Um bei diesem ominösen Geldvernichtungssystem, mit entsprechender Motivation und Leistungsbereitschaft 200,-- Euro hinzuzuverdienen, müsste Herbert nach Adam Riese 1.000,-- Euro Gage verlangen. Aber dann würde man vermutlich jemand anderen buchen. Als Harz IVEmpfänger findet sich Herbert in einem nicht konkurrenzfähigen Paralleluniversum mit verzerrten Zahlenverhältnissen wieder.
TEXT: BOGIE
FOTO: PHOTOCASE.DE / SCHMONZETTEN-PUNKETTE
Den kompletten Bericht findet Ihr im MUSIKER-Magazin 04/2008




