MACHT MICH HEISS! - Ein Hilferuf aus der Lokalredaktion
Welttourneen mit Auftritten zwischen Wanne-Eickel und Gramat-Neusiedl haben eigene Reize. Für auf- oder abstrebende Weltstars kommt ein ganz besonderer hinzu, Konzerte oder Aufführungen in der Provinz werden von der Presse wahrgenommen! Auftritte im Pariser Olympia oder einer Bundesliga-Arena kosten dem blasierten Hauptstadtredakteur nur einen müden Gähner, während der unermüdliche Lokalreporter gewissenhaft, selbst bei der minimalistischen Kneipentournee, auf der Schwelle steht.
Natürlich weiß der freie Mitarbeiter der Lokalredaktion nicht unbedingt, was ihn bei der Ankündigung eines progressiven Emo-Indy-Rockkonzerts erwartet, auch schreibt er nicht unbedingt im aktuellen Cool-Speak der Rockszene, aber er ist bereit, sein Bestes zu geben und hat vor allem viel Platz auf der Lokalseite zu füllen. Stories über einen jungen Liedermacher, eine alternde Rockband oder einen deprimierten Autor sollten für ihn amüsantere Aufgaben sein als der Bericht über die 215. Wahl beim Schützenverein oder der Wettbewerb der Kaninchenzüchter. Kurioserweise sind es aber oft die Letzteren, die sich auf Pressearbeit verstehen. Sie liefern, ohne vorherige Ermahnung, eine vorgefertigte Liste mit den Namen des neuen Kreisvorstands und führen direkt zum preisgekrönten Edelrammler.
Der idealistische Kulturrezensent wird hingegen hemmungslos im Regen stehen gelassen. Namen der Bandmitglieder? Veranstalter hat keine Ahnung! Liste der aufgeführten Musiktitel? Gibt es nicht! Eine Situation nicht bei Auftritten der lokalen Schülerband, sondern selbst bei abgebrühten Profis.
Das erinnert peinlich an sehr schlechten Sex!
Man möchte zwar von der Presse verwöhnt werden, verweigert aber gleichzeitig jede Eigeninitiative zur gemeinsamen Befriedigung. Danach beschwert man sich noch über den fahlen Nachgeschmack!
TEXT: PHILIPP TENTA
FOTO: © ALEXANDER TRINITATOV / FOTOLIA.COM
Den kompletten Bericht findet Ihr im MUSIKER-Magazin 04/2011




