
Süße Träume von ungebremster Kreativität
Dave Stewart will mit neuem Netzwerk eine alternative Plattform für Musik und Film zu den Mediengiganten schaffen
In einem der stereotypen Konferenzzimmer in einem nicht weniger stereotypen Hotel der Berliner Innenstadt sitzt Dave Stewart, der ehemalige Mastermind von den Eurythmics. Auf seinem T-Shirt steht in dicken Lettern "Love". In der Hand hält er die CD seiner neuen Band "Da Univerzal Playaz". Viel interessanter jedoch als die Musik ist das Konzept, das hinter dem Tonträger steht. Stewart hat in den vergangenen Jahren seine Vision vom "Artist Network" realisiert, einem Medienunternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine alternative Plattform für Künstler aus den Bereichen Musik und Film zu bieten.
Die Drumrum-Industrie
Warum es euch schlecht geht: Ein mitfühlender Offener Brief an die notleidende Musikbranche
Allmählich sind eure Klagen wirklich herzergreifend, liebe Labelchefs, Musikmanager, Besitzer von Medienkonglomeraten: Wieder ein Umsatzminus von 11,3 Prozent, meldet ihr gerade aus Deutschland; wieder 65 Millionen CDs weniger verkauft, stöhnt ihr aus Amerika. Und dass jemand wie die Grammy-Siegerin Norah Jones ziemlich viele Tonträger verkauft hat, dafür hat ihr Produzent Arif Mardin eine lustige Begründung: "Ihre Musik spricht ältere Menschen an, die noch nicht wissen, wie man sie illegal aus dem Netz zieht." Jeden Tag kündigt ihr neue Allianzen an, neue Vertriebswege im Internet, neue Angebote für den Konsumenten. Jeden zweiten Tag verklagt ihr irgendwen auf Milliarden von Dollar Schadensersatz - und immer öfter zerrt ihr euch auch gegenseitig vor Gericht, wie im neuen Napster-Prozess, Bertelsmann gegen den Rest der Industrie. Falls ihr also den Eindruck erzeugen wollt, ihr wärt völlig kop
Das große Trallala
Der Musikbranche geht es schlecht. "Deutschland sucht den Superstar" macht alles nur noch schlimmer, fürchten Musikmanager
Deutschland hat ihn gefunden. In mehreren Folgen lief beim Fernsehsender RTL die Sendung "Deutschland sucht den Superstar". Der Sängerwettstreit brachte der Musik im deutschen Fernsehen soviel mediale Aufmerksamkeit wie lange nicht mehr. Doch Musikmanager sehen in der Bertelsmann-Show den kreativen Offenbarungseid: Eine von Umsatzeinbrüchen zutiefst verunsicherte Branche hat den Glauben daran verloren, noch kommerziell erfolgreiche Inhalte schaffen und neue Trends setzen zu können. Statt dessen überläßt es Bertelsmann gleich dem Fernsehpublikum, zu entscheiden, wer den Plattenvertrag bekommt.
Internet-TV
Die Revolution von unten
von Ole Seelenmeyer
"Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei!" ? so titulierte Manfred Weißleder 1962 die Plakate anläßlich der Neugründung seines "Starclubs" auf der Hamburger Reeperbahn. Traten bis dahin Tanz-, Twist- oder Beatkapellen in irgendwelchen Dorfscheunen und Schützenhäusern vor ihr Publikum, hatte Hamburg damals mit der Gründung des Starclubs ein professionelles Konzertforum für die aus aller Welt anreisenden Popbands. Eine Idee war geboren worden!
Deutschlandweit berichteten zahlreiche Tageszeitungen über dieses ungewöhnliche Ereignis und das Echo ließ nicht lange auf sich warten: Überall in Deutschland wurden weitere Starclubs (unter Lizensierung Weißleders), aber auch Starpaläste gegründet, in denen dann ebenfalls die zum Teil weltbekannten Bands der beginnenden Beat-Generation gastierten. Die in die Hunderte gehenden Beat- und Popbands aus Liverpool, London, den USA, aber auch aus Deutschland hatten plötzlich Konzertforen, auf denen sie sich dem




