Geld

MIT DER BOEING ZUR PARTY

Drogen, Exzentrik, Bestechung: In der Pop-Industrie werden Klischees durch die Wirklichkeit noch übertroffen. Ein Insider packt aus.

Vermutlich haben Sie in Ihrem Leben schon einige bizarre Geschichten darüber gehört, wie es in der Musikindustrie zugeht. Und vielleicht haben Sie gedacht, davon sei maximal die Hälfte wahr. Irrtum. Verdoppeln Sie das Ganze, dann sind Sie näher an der Wahrheit. Ich arbeite seit vielen Jahren in unterschiedlichen Positionen bei verschiedenen großen Plattenfirmen. Ich kann mit Recht behaupten: Ich weiß, wie es dort wirklich zugeht.

Und trotzdem, auch ich bin immer wieder sprachlos. Zum Beispiel war ich nach einigen Jahren in der Branche schon an absurde Ausgaben für unsere größenwahnsinnigen Künstler gewöhnt. Als eine sehr bekannte amerikanische Pop-Sängerin bei unserer Firma die Rechnung ihres Haarstylisten über 5000 Mark einreichte, überraschte mich das deshalb nicht weiter. Sie wollte eben angemessen aussehen beim Interview mit einem deutschen Journalisten. Stutzig wurde ich aber, als mir dämmerte, dass dieses Interview ja am Telefon stattgefunden hatte, der Reporter saß in München am Hörer, und unsere so kostspielig wie glänzend frisierte, nun ja, ich mag sie nicht Künstlerin nennen, plauderte von den USA aus in den Hörer. In einer Telefonkonferenz, die ich daraufhin eilig anberaumte, wurde ich von meinen ausländischen Kollegen nur milde belächelt. So etwas, erklärten sie mir, sei üblich. Ich müsse im Umgang mit Stars noch viel lernen.

Angefangen habe ich bei der Plattenfirma als Seiteneinsteiger, wie die meisten meiner Kollegen. Ich hatte einen langweiligen Job und war damals fast jeden Abend auf Konzerten, wo ich viele Leute von Plattenfirmen kennenlernte. Eines Tages, als ich über die Ödnis meiner Arbeit jammerte, bot man mir tatsächlich einen Job in der Presseabteilung einer großen Musikfirma an. Ich habe erst mal als freier Mitarbeiter, später fest angestellt, angefangen, Pressetexte für Schlagersänger zu schreiben. Das war nicht meine Musik, aber das hat mich nicht weiter gestört, denn in der Branche zu arbeiten war mein Lebenstraum. Die meisten Kollegen hatten allerdings noch weniger Ahnung als ich. Deshalb wurde ich schnell zum Abteilungsleiter befördert.

 

AUFGEZEICHNET: CHRISTOPH DALLACH
QUELLE: KulturSPIEGEL
FOTO: PHOTOCASE.DE/KOLI

Den kompletten Bericht findet Ihr im MUSIKER-Magazin 04/2008

 
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