Mittwoch, 10. März 2010 16:11
Musiker News: Kurznachrichten

Peter Gabriel bescheinigt Musikindustrie Verfall

Vor seiner neuen "Scratch My Back"-Tournee hat der britische Musiker Peter Gabriel der Musikindustrie fortschreitenden Verfall gepaart mit interessanten Neuerungen bescheinigt. In mancher Hinsicht erinnere ihn die heutige Musikszene an die 60er Jahre, sagte Gabriel der Nachrichtenagentur AFP bei einem Gespräch in Paris. Sie sei wie "ein Kadaver, aber es kriechen viele interessante Dinge da heraus". Die Zeit der Verwesung biete die Chance, "die Gesetze neu zu schreiben".

Eine solche Chance sehe er für die Musiker in der digitalen Musik. Musiker könnten heutzutage in zehn oder zwölf verschiedenen Bands mitspielen, sie könnten sich ebenso gut darauf verlegen, drei Sekunden lange Songs zu spielen wie drei Tage lange Stücke.

Gabriels Tournee startet am 22. März in Paris, bevor er am 24. und 25. März in Berlin und anschließend in London, Montreal, New York und Los Angeles auftritt. Der 60-jährige Musiker, der bereits in den 70er Jahren mit der Rockgruppe "Genesis" auf der Bühne stand, hat seither in vielfacher Hinsicht innovativ gewirkt. Bei der Tournee will er Oldies von Radiohead und David Bowie, aber auch aktuellere Titel von Regina Spektor und Bon Iver als Cover-Version mit einem Symphonie-Orchester aufführen. Mit seinem Album mit eigenen Titeln sei er nicht recht vorangekommen, sagte Gabriel. "Ich muss mir mehr Zeit freischaufeln." Derzeit verbringe er je ein Drittel der Zeit mit Musik, Technik und seinem Einsatz für Wohltätigkeitsprojekte und Menschenrechte.

Seine "Leidenschaft" gelte einem neuen Betätigungsfeld, sagte Gabriel. Dabei gehe es um die Verknüpfung moderner Technologien wie Internet und Mobilfunk mit dem Einsatz für Menschenrechte. Hier entstehe ein "die Welt verändernder Motor", sagte der Musiker. Die spezialisierte Website The Hub ermögliche es, im Einsatz für die Menschenrechte neue Wege zu beschreiten. Betroffene könnten dort direkt ihre Erlebnisse schildern. Das Prinzip sei ähnlich wie bei Google-Earth - "man sucht sich ein Thema und zoomt sich in das Haus, in dem der Betroffene mit seiner eigenen Stimme über seine Erfahrungen spricht". Mit Online-Petitionen könnten im Handumdrehen Millionen Unterschriften gesammelt werden. Damit gelange eine Gruppe "schnell in Größenordnungen, für die sich Politiker interessieren".

Foto: © Nadav Kander


 
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