Internet-Hits zählen bei Single- und Albumcharts REFORM, Die deutschen Albumcharts geben sich neue Regeln. Künftig zählt der Umsatz.
Die deutschen Single- und Albumcharts haben sich neue Regeln gegeben: Künftig zählt nicht mehr die Zahl der verkauften Alben für die Ermittlung der Rangliste, sondern wie viel Umsatz damit erzielt wurde. Zusätzlich werden erstmals Titel zugelassen, die ausschließlich im Internet vertrieben werden. "Das ist der größte Umbruch in der 30-jährigen Geschichte der Chartermittlung durch Media Control", betonte Ulrike Altig, Geschäftsführerin des Unternehmens. Mit dem geänderten Reglement werde man den aktuellen Entwicklungen im Musikbusiness gerecht.
Deutschland folgt mit der Reform dem Beispiel Großbritanniens, das seine Charts bereits Anfang des Jahres umgestellt hat. Durch die Umstellung können neue Künstler in die Musikcharts kommen, ohne Geld für die Herstellung von CDs ausgeben zu müssen. Außerdem können auch ältere Musiker neu in die Charts einsteigen, wenn ein Song von ihnen oft aus dem Internet heruntergeladen wird, ohne dass sie aktuell ein Album veröffentlicht.
In der ersten deutschen Hitparade nach der neuen Regelung ist allerdings keiner der Titel, die nur per Internet verkauft werden, vertreten. Downloads sind meist günstiger als Singles* so dass sie sich in der Bewertung nicht so stark niederschlagen. Den ersten Platz der deutschen Albumcharts eroberte sich RTL-"Superstar" Mark Medlock mit der CD "Mr. Lonely" zurück. Da mit verdrängte er Sängerin LaFee ("Jetzt erst recht"), die es in der Vorwoche auf Anhieb an die Spitze geschafft hatte. Von Platz 13 auf 3 kletterte Nelly Furtado mit "Loose". Auch in den Single-Charts steht Medlock ("You Can Get It") nach einer Woche auf dem zweiten Platz wieder an der Spitze und verwies damit Monrose ("Hot Summer") auf Rang zwei. Mit "Prison Break Anthem" schaffte es Neueinsteiger Adel Azad feat. Tawil auf Platz 3.
Die Änderungen in der Ermittlung der Hitparade stoßen auf ein geteiltes Echo. Der Inhaber und Geschäftsführer des Hamburger Labels 105 music, Heinz Canibol, zeigte sich er freut. Durch die Abfrage der Wertumsätze spiele der Wert des Tonträgers eine größere Rolle als durch Dumping Preise künstlich erhöhte Stückumsätze. "Man muss jetzt wieder mehr nachdenken, wie man mit seinem Produkt umgeht, weil Verschleudern keine guten Chartplatzierungen mehr bringt." Skeptische Stimmen wurden im Handel laut:"Die Charts werden dann nicht mehr so aktuell sein, weil die Preisunterschiede das Ergebnis verfälschen können", sagte die Planerin in einem Elektronik-Markt in Uelzen.
Sandi Thoms Webcam-Erfolg
Welche Bedeutung das Internet inzwischen insbesondere für junge Musiker hat, zeigt sich am Beispiel von englischen Bands wie den "Arctic Monkeys", die über das Netz bekannt geworden sind. Ähnlich verhielt es sich bei der schottischen Sängerin Sandi Thom, deren Song "I Wish I Was A Punk-Rocker" zunächst nur via Webcam im Internet zu sehen und hören war. Als er als Single veröffentlicht wurde, erreichte er Platz 1 der britischen Charts. Die deutschen Single- und Albumcharts haben sich neue Regeln gegeben: Künftig zählt nicht mehr die Zahl der verkauften Alben für die Ermittlung der Rangliste, sondern wie viel Umsatz damit erzielt wurde. Zusätzlich werden erstmals Titel zugelassen, die ausschließlich im Internet vertrieben werden. "Das ist der größte Umbruch in der 30-jährigen Geschichte der Chartermittlung durch Media Control", betonte Ulrike Altig, Geschäftsführerin des Unternehmens. Mit dem geänderten Reglement werde man den aktuellen Entwicklungen im Musikbusiness gerecht.



