Wie kann ich meine CD im Rundfunk plazieren?
Viele Bands oder Einzelinterpreten, die eine CD auf eigene Kosten aufgenommen haben stehen meistens vor ihrem Stapel von Kartons, frisch gepresst aus dem Presswerk, und fragen sich, wer muss davon eine kriegen? Die CD herzustellen war ja schon genug Stress: Ein günstiges Studio finden, die Musiker zusammentrommeln, das Master herstellen, das Layout für das Booklet, die GEMA-Anmeldung und und und..., da denkt man gar nicht dran, was noch alles nötig ist, damit die CD auch wirklich unter die Leute kommt. Zunächst kriegt die Freundin oder der Freund eine, dann vielleicht die Oma und dann natürlich der Radiomoderator, der immer die gaile Musik bringt, die genauso klingt wie das, was man selber macht. Also rein in den gefütterten Briefumschlag und ab zur Post.
Und dann: Jeden Tag Radio hören, ob er die beste Nummer auf der CD auch wirklich spielt. Aber nach einigen Tagen macht sich Mutlosigkeit breit: "Meine Musik wird wieder nicht gespielt!" Klar die Konkurrenz ist gross, bekannte Bands mit grossen Firmen und einem perfekten Management und einem gigantischen Werbebudget im Rücken drängen in die Sender, wo soll da eine Produktion im Eigenverlag Platz haben? Dennoch gibt es eine Möglichkeit mit wenigen gezielten Aktionen auch einmal in den grossen Rundfunksendern wie BR, NDR oder RBB gespielt zu werden. Aber dafür ist einmal Ausdauer und eine gewisse Zielstrebigkeit nötig. 1. Schritt: Sich Klarheit verschaffen, welchen Musikstil bietet man an. Ich gehe also in mich und überlege: In welche Kategorie gehört meine Musik? Wo könnte die gespielt werden? Wem könnte sie gefallen? Man kann das alleine für sich machen oder sich Hilfe holen. Da wäre zunächst der Produzent, der ist dafür Zuständig, einer Produktion den richtigen "shape" zu geben. Er hat meist schon zu Beginn der Produktion eine Vorstellung davon, wo er die Musik plazieren möchte. Wenn man so etwas für die Produktion der Studioaufnahmen schon hatte, vereinfacht das die Sache. Ansonsten kann man mit Freunden oder befreundeten Musikerkollegen sprechen oder dem DJ in der Stammdisko mal eine Kopie in die Hand drücken. Es sollte aber jemand sein, der einem wohlwollend gestimmt ist, sonst gibt's gleich den Frust, wenn der eine abfällige Bemerkung loslässt. So sammelt man die Meinungen und Begutachtungen ein und bekommt allmählich ein Gespür dafür, wem die Musik gefällt, und wo sie am Besten reinpassen könnte. Wenn man auch meint, dass die eigene Musik einmalig ist, ein Einordnung hilft beim Bewerben der CD in jedem Fall. 2. Schritt: Eine Checkliste für die Bemusterung der Redakteure und DJs. Nachdem ich mir also Gedanken gemacht habe, wo ich mit meiner Musik einzuordnen wäre, überlege ich mir, wer denn für die Bemusterung mit meiner CD in Frage kommen würde. Dabei sollte man nicht nur an die grossen Rundfunkanstalten der ARD denken, sondern auch an Lokalsender, die nicht nur den Mainstream senden. Neben den kommerziellen Privatradios gibt es ja auch Studenten- und Alternativradiosender, die gerade ungewöhnliche, eigenwillige oder einfach gute Musik senden wollen. Auch in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gibt es Sendungen - meist spät abends oder nachts - , wo auch Neuheiten und alles, was interessant klingt, gesendet wird. Ganz wichtig ist, dass ich mir meine ganz persönliche Liste zusammenstelle, auf der ich mir dann vermerke, wer was bekommen soll und vorallendingen, wann ich mit ihm gesprochen habe, ob ich mit ihm persönlich oder mit seiner Sekretärin gesprochen habe, und wann ich wieder anrufen muss. Denn ich muss ganz viel telefonieren, telefonieren, telefonieren. Doch bevor ich den Hörer in die Hand nehme, ist noch ganz wichtig, dass ich mir überlege, wie ich mich präsentiere. Ratsam ist dabei, einen eher geschäftlichen Duktus zu wählen, wie "hier spricht Soundso vom Management der Gruppe X, wir würden Ihnen gerne unsere neueste CD empfehlen, dürfen wir Sie bemustern?". Man sollte aber trotzdem ehrlich bleiben und dazusagen, dass die CD im Eigenverlag hergestellt wurde, oder aus einem Zusammenschluss von mehreren Bands entstanden ist, o ä..3. Schritt: Telefonieren
Die Adressen und Telefonnummern, die in den verschiedenen Handbüchern oder Internetdiensten angeboten werden, stimmen leider nicht immer. Ausserdem ist nicht gesagt, dass der, der in dem Handbuch drinsteht, wirklich für den Bereich, den ich für meine Musik brauche, zuständig ist. Also muss ich den Telefonhörer in die Hand nehmen und nachtelefonieren. Dazu ist jetzt unsere Vorarbeit der genauen Einordnung und Stilbestimmung sehr hilfreich. Also lege ich mir mental oder real eine worklist zurecht, auf der steht: Name der Band, die ich anbiete, Titel der CD, Plattenfirma, Stilrichtung, Besetzung, besteht seit, bisherige Liveauftritte. Ganz gut ist, wenn man Eine LC-Nummer der Plattenfirma, die die CD herausgebracht hat, vorweisen kann, dann sind die Redakteure eher bereit, einmal etwas zu spielen, weil sie dann weniger Papierkram bearbeiten müssen. Aber das ist eher ein fadenscheiniges Argument. Die LC- Nummer kann man übrigens auch über den DRMV bekommen. Am Besten ist es, mit dem Redakteur oder Radio-DJ selbst zu sprechen. Man darf sich also nicht von der Vorzimmerdame abwimmeln lassen. Man kann auch nachfragen, wann ist der/die Redakteur/in zu sprechen. Bei freien MitarbeiterInnen kann man ruhig nach der Privat- oder Büroadresse fragen. Aber auch da erst vorher anrufen. Der erste Kontakt ist wichtig. Mit ein paar wenigen Worten kann man klären, ob es sinnvoll ist, eine CD loszuschicken. Oft sind es allgemein organisatorische Gründe, warum eine Produktion gar nicht mit ins Programm genommen werden kann. Man muss einfach den Redakteur oder die Redakteurin finden, der sowohl organisatorisch, als auch mental offen ist, Neues und Ungewohntes sich zuschicken zu lassen. Auch hier gilt es, sich nicht vom ersten ablehnenden Bescheid entmutigen zu lassen. Man kann auch bei ein- und demselben nach ein paar Wochen noch einmal mit einem neuen und verbesserten Konzept anrufen. Bei der Vielzahl von Anrufen haben die Meisten schon den vorhergehenden Anruf vergessen, oder der/die zuständige Redakteur/in hat gewechselt. Wichtig bei den Telefonaten ist, dass man die Auskunft, die einem gegeben wurde, wirklich beherzigt: Herr/Frau ist um 16:00h wieder da, also dann auch wieder anrufen. Die RedakteurInnen nehmen sich dann für solche Anrufe Zeit und richten ihre Aufmerksamkeit auf das vorgebrachte Anliegen. 4. Schritt: CD Abschicken Wenn nun ein/e Redakteur/in einer Bemusterung zugestimmt hat, darf man ruhig noch einmal nach der Adresse fragen. Also auch nach der Abteilung und der Zimmernummer fragen. Der CD sollte man auf jeden Fall auch Zusatzmaterial beifügen, wie Bandgeschichte, Lebenslauf der einzelnen Bandmitglieder, Informationen zur Entstehungsgeschichte der CD-Produktion, ein Bild von der Band, wenn es nicht schon im Booklet drin ist und dann auch Pressematerial, wie Rezensionen von Konzerten oder früheren Produktionen. Es lohnt sich auch, einen neuen Umschlag für die Versendung zu besorgen, und zwar einen gefütterten, damit die CD nicht beim Transport kaputt geht. Die Adresse sollte man mit Schreibmaschine oder Computerdruck aufkleben wegen der besseren Lesbarkeit. Das Infomaterial sollte man zusammenheften und mit einer Kontaktadresse versehen. Falls die Kontaktadresse nicht schon auf dem CD-Booklet steht, sollte man auch da unbedingt einen Adressaufkleber anbringen. Jetzt kann die CD zur Post! 5. Schritt: Noch 'mal nachtelefonieren: "Haben Sie meine CD bekommen?". Auch hier gilt, man darf sich nicht entmutigen lassen. Also freundlich bleiben, wenn am anderen Ende gefragt wird, wer soll das sein, kenn´ ich nicht. "Bitte schauen Sie doch noch einmal nach."
Vielleicht kann man den/die Redakteur/in dazu bringen, dass er/sie noch während des Gespräches in den CD-Bergen auf seinem/ihrem Schreibtisch herumwühlt, klapper, klapper. Manchmal helfen auch Erinnerungshilfen wie, eine blaue CD mit Bild drauf, oder eine Digipack mit weisser Schrift. Man muss sich immer im Klaren sein, dass man nur Einer unter Vielen ist, der da anruft. Wenn er/sie sich wenigstens die CD einmal anschaut, hat man schon einen kleinen Schritt in die richtige Richtung geschafft. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, sollte man nicht verzweifeln. Viele RedakteurInnen wollen auch erst einmal abwarten, ob da noch weitere Produktionen kommen, ob die Band überhaupt weiter bestehen wird. Auch in dem sonst so als schnelllebig bezeichneten Musikgeschäft kommt es auf Kontinuität an. Man muss in Zeiträumen von mehreren Jahren denken können. Zwar gibt es die Ausnahmen von Senkrechtstartern, wo die CD sofort in allen Radiostationen gespielt wird, aber selbst die kommen von Bands oder Interpreten, die vorher jahrelang an Redakteure und DJs hingebaggert haben, damit ihre Musik wahrgenommen und gespielt wurde.



