Samstag, 05. Juni 2004 18:08
Musiker News: Kunst und Kultur

Deutscher Rock- und Poppreis 1983 - 2002 -Jubiläum

von Ole Seelenmeyer

 

Deutschlands ältestes bundesweites Nachwuchsfestival für Rock & Pop Musikgruppen feierte am 9. November 2002 im Hamburger Congress Centrum seine 20. Jubiläumsveranstaltung.

Deutschlands ältestes bundesweites Nachwuchsfestival für Rock & Pop Musikgruppen feierte am 9. November 2002 im Hamburger Congress Centrum seine 20. Jubiläumsveranstaltung.

 

Als 1986 nach dreijähriger Versuchs- und Anlaufphase die damalige Kulturabteilung des Bundesministeriums des Innern bundesweit zum ersten Mal im Bereich der Rock- und Popmusik das 4. Bundesrock- und Popfestival und die anschließende Förderung der Preisträger als Projekte des Deutschen Rock- und Popmusikerverbandes finanzierte, ahnte niemand, welche außergewöhnlichen Folgen die damalige Preisverleihung und die anschließende Konzerttournee der Siegergruppe durch Deutschland zeitigen würde. Mit dem Deutschen Rockpreis 1986 wurde eine damals unbekannte Gruppe mit Namen PUR ausgezeichnet, die anschließend bei der Plattenfirma Intercord in Stuttgart einen Schallplattenvertrag erhielt und in den folgenden Jahren darauf zu Deutschlands erfolgreichster Popband avancierte.

1883 war ein historisches Jahr: Damals wurde in Lüneburg von einer großen Anzahl Musikerinnen und Musikern aus allen Teilen Deutschlands der Deutsche Rock- und Pop Musikerverband e.V. über seine Vorläuferorganisation, die "Arbeitsgemeinschaft Rockmusiker in Deutschland" gegründet. Im gleichen Jahr entschlossen sich die erstmalig vereinigten Rock- und Popmusiker, etwas ins Leben zu rufen, was es damals noch nicht gab: Ein von Künstlern selbst organisiertes bundesweites Nachwuchsfestival unter dem Titel "Bundesrockfestival", um so einer großen Anzahl von talentierten Rock- und Popmusiker-Nachwuchsgruppen eine Medienplattform mit anschließender professioneller Förderung zu bieten.

Was sich heute als selbstverständlich anhört, die Einrichtung eines Nachwuchsfestivals im Bereich der Rock- und Popmusik, war damals 1983 ein völliges Novum. Vor 20 Jahren gab es in Deutschland keine Nachwuchsfestivals im Bereich der Rock- und Popmusik und schon gar nicht bundesweit. Heute gibt es zahllose Versicherungen, Autoproduzenten, Zigarettenfirmen, Sparkassen, Kulturämter, Musikerinitiativen u.a., die diese beispielhafte Kulturförderung des Deutschen Rock- und Popmusikerverbandes in den letzten 20 Jahren nach und nach übernommen bzw. kopiert haben. Firmen versprechen sich davon besseren Umsatz ihrer Produkte oder Imagewerbung, Versicherungen eine bessere Aquise von Versicherungsabschlüssen, und die Kulturämter und Musikerinitiativen eine vorbildliche Kulturförderung für den Bereich der Rock- und Popmusik.

Der Deutsche Musikrat, der Verband aller Musikverbände in Deutschland, berief 1986 eine Fachkommission für Popularmusik ins Leben, die in ihrer Expertise an die Bundes- und Landeskultusministerien und an die Kommunen feststellte, dass Wettbewerbe auch dann einen Sinn im Bereich der Popularmusik haben, wenn eine vernünftige Konzeption zugrunde liegt, die z.B. Anschlußmaßnahmen mit individueller Förderung vorsieht und dabei eine vorsichtige Talentförderung im Zwischenbereich zwischen Amateurstatus und Professionalität anstrebt. Die Fachkommission stellte damals darüber hinaus fest, dass bei einer solchen Konzeption der Begegnungsgesichtspunkt noch wichtiger sei, die gegenseitige Animation und Motivation, das Anhören des jeweils Anderen ohne Konkurrenzneid, ohne Verlust des "Playing just for fun". Bei Nachwuchswettbewerben spielen zudem glaubwürdige und professionelle Förderkonzeptionen eine bedeutende Rolle. Aus diesem Grund berief der Deutsche Rock- und Popmusikerverband in alle bisherigen Juroren-Teams qualifizierte Persönlichkeiten aus dem Rock- und Popbusiness: Chefredakteure bekannter Fach- und Musikzeitschriften, Rundfunkredakteure, A&R-Manager der Tonträgerfirmen, bekannte Rockstars wie Heinz-Rudolf Kunze u.v.m. . Und auch die Einbindung von zusätzlichen Publikumsentscheidungen wurden geprüft, getestet und verworfen.

Ab 1987 trat die Deutsche Phonoakademie, ein Kulturverein der Tonträgerindustrie, in die Förderung ein, ebenso wie der Deutsche Musikrat als ideeller Partner, die GEMA-Stiftung und Franz-Grothe-Stiftung (bis 1990). Mit Hilfe dieser Förderpartner war der Deutsche Rock- und Popmusikerverband in der Lage, für die jeweiligen Preisträger der Festivals eine zielgerichtete Förderung mit individueller Betreuung ins Leben zu rufen, die schon damals in jeder Hinsicht vorbildlich und einzigartig war: Der Deutsche Rock- und Popmusikerverband produzierte jährlich mit jeweils drei besten Preisträgern unter qualifizierter Begleitung eines professionellen Musikproduzenten eine Longplay-LP/CD, die dann anschließend an sämtliche Rundfunkmoderatoren, Rock- und Popfachzeitschriften, aber auch Kulturinstitutionen zur Vorstellung und Rezension verschickt wurden. Die jährlichen GVL-Abrechnungen und angeforderten Senderprotokolle zeigten, dass einige Rundfunkredakteure die produzierten Songs der Preisträger ihren Hörern vorstellten und abspielten. Für die beteiligten Musikgruppen eine nicht zu unterschätzende Öffentlichkeit. Zusätzlich begleitet der Deutsche Rock- und Popmusikerverband die einjährigen Fördermaßnahmen mit den Preisträgern bis heute durch ein umfassendes individuelles Betreuungs-, Beratungs- und Coachingprogramm, um die ausgezeichneten Nachwuchsmusikgruppen, Musikerinnen und Musiker verbessert in die Lage zu versetzen, sich auf Bundesebene erfolgreich zu behaupten.
Diese seit nunmehr 20 Jahren durchgeführten kulturellen Künstlerwettbewerbe der deutschlandweit vereinigten Musikerinnen und Musiker im Bereich der Rock- und Popmusik haben eines nicht zum Ziel: Die immer wieder von Seiten verschiedener Personen aus der Tonträgerindustrie geforderte Ausrichtung dieser Festivalreihe auf einige wenige musikstilistische Bereiche, die für die Tonträgerindustrie von kommerziellem Interesse sind (z.B. augenblicklich HipHop, Dance, bestimmte Rock- und Popbereiche). Der Deutsche Rock- und Popmusikerverband legt seit Beginn der Festivalreihe in 1983 erheblichen Wert auf die Feststellung, daß ein derartiges bundesweites Kultur- und Künstlernachwuchsfestival musikstilistisch keine Einschränkungen vorweisen darf, sondern dass sich alle Nachwuchsmusikgruppen, gleich aus welchem musikstilistischen Bereich der Rock- und Popmusik (die noch über keinen Tonträgervertrag verfügen), sich für diesen bundesweiten Wettbewerb bewerben dürfen.

Dieser von inzwischen über 5.500 Musikgruppen, Musikerinnen und Musikern im Deutschen Rock- und Popmusikerverband getragene älteste Wettbewerb im Bereich der Rock- und Popmusik setzt somit den Schwerpunkt dieser Nachwuchsfestivals nicht auf Gesichtspunkte wie Verkauf und Verwertbarkeit, Kommerzialität, Image und Produktwerbung, sondern auf Kultur und Künstlerförderung.

Und auch das mediale Interesse der großen TV- und Rundfunkanstalten kann sich bei den Bundesrock- und Popfestivals durchaus sehen lassen: Bisher wurden die Bundesrock- und Popfestivals von einer großen Anzahl von TV- und Rundfunksendern wie ZDF, Heute Journal, der Kulturredaktion Aspekte, dem Kulturkanal des ZDF, 3-SAT, über einen abendfüllenden TV-Film der ARD über die einzelnen dritten Programme der ARD, wie Bayerischer Rundfunk, Süd-West-Funk, Süddeutscher Rundfunk, Westdeutscher Rundfunk, Norddeutscher Rundfunk und Hessischer Rundfunk, aber auch von dem Musik-TV-Sender VH1 und dem privaten TV-Sender SAT 1 vorgestellt. Zudem sorgte die Deutsche Presseagentur (dpa) in den letzten 20 Jahren für eine außerordentlich umfangreiche Berichterstattung in den bundesweiten Tageszeitungen. Berichterstattungen in den verschiedensten Musikzeitschriften komplettieren diese seit 20 Jahren durchgeführten Nachwuchswettbewerbe in ihrer Medienpräsenz.

Die in den letzten Jahren erfolgten Preisverleihungen der Deutschen Rock- und Poppreise hatten zur Folge, dass über sieben Preisträgerbands anschließend einen Künstlervertrag bei einer großen Major-Tonträgerfirma erhielten, darunter zwei sogenannte Chart-Breaker (Top 100 LP/Single-Charts) "Ganz schön feist" und Deutschlands populärste Popgruppe "Pur".

Die seit nunmehr 20 Jahren durchgeführten Bundesrock- und Popfestivals "Deutscher Rock- und Poppreis" sowie die qualifizierenden Fördermaßnahmen der Preisträger konnten bis heute nur durchgeführt werden durch eine vorbildliche und beispielhafte Förderung der verschiedensten staatlichen Ministerien und kulturellen Institutionen wie das Bundesministerium des Innern, den Bundesbeauftragten für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, die Kulturstiftung der Länder, durch den Deutschen Rock & Pop Musikerverband und ideell durch den Deutschen Musikrat e.V., der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, bis 1990 durch die Deutsche Phonoakademie, der GEMA-Stiftung und Franz-Grothe-Stiftung.

Aber auch zahlreiche Firmen und Institutionen aus der Musikindustrie sponserten dieses bundesweit größte Nachwuchsfestival für Rock- und Popmusikgruppen, an dem jährlich zwischen 1.500 und 2.000 Musikerinnen und Musiker aus allen Teilen Deutschlands vor Ort teilnehmen, mit z.T. erheblichen Sach- und Finanzmitteln. So sponserten die Unternehmen MTV/VH1, AOK, Yamaha, Coca Cola, Deutsche Bahn AG, Deutsche Bank, Hitradio Antenne, Sony, Kama, Roland, Shure, Senheiser, AKG, BayerDynamic, PEAK, Musicstore Köln, u.v.a. Diese durch den Deutschen Rock- und Popmusikerverband eingeworbenen Firmensponsorpartner, die meistenteils die Preisträgergruppen und Interpreten mit Sachpreisen fördern, aber auch die eingeworbenen staatlichen und kulturellen Instanzen, die diese Festivalreihe und die Förderung der Preisträger maßgeblich finanzierten, sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass in den letzten 20 Jahren für dieses kulturelle Gesamtprojekt nur sehr begrenzte finanzielle Mittel insgesamt zur Verfügung standen und dieses nationale Kulturprojekt auf die Dauer nur dann eine wirkliche Chance einer zielgerichteten Fortentwicklung und Professionalisierung in Konzeption, Durchführung und Fördermaßnahmen hat, wenn wie in der Filmförderung erheblich umfangreichere Fördermittel zum Aufbau, einer professionellen Förderinfrastruktur und Förderpreise zur Verfügung stehen.


 
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