POP IST VIEL HANDWERK UND EIN WENIG KUNST
Auf dem Ledersofa sitzt die Jury und macht Notizen: Die ersten Züricher Popstudenten machen ihren Bachelor.
Auf der Bühne stehen vier Musiker in weißen Langarmshirts und lassen einen punkig angekanteten Discobeat knattern. "We must be innovators", singt die dunkel im New Wave der 80er-Jahre verschattete Stimme, und später: "We have to be controllable, we have to be predictable, we have to be good looking." Und man fragt sich, ob der Sänger hier Bilanz zieht über die letzten drei Jahre seines Lebens. Denn die hier auf der Bühne im Mehrspur stehen, sind vier von fünf Absolventen des ersten Popstudiengangs an der Zürcher Musikhochschule. Stefan Aegerter, der 29-jährige Sänger und Komponist von "We Must", präsentiert seine Abschlussarbeit für den Bachelor. In der Ledersitzgruppe sitzt die Jury und macht Notizen.
"MAN HAT UNS EIGENTLICH MACHEN LASSEN"
Das Unbehagen, dass in einem Popstudium lauter Musiker produziert werden, die auf eine vorhersehbare Weise gut aussehen, ist hier zum Song geworden - und damit zum ziemlich schlüssigen Produkt dieses Studiums. Es besteht also, könnte man sagen, Hoffnung. Tatsächlich wehrt Stefan Aegerter im Gespräch ab: "Ich hatte ja die Angst, dass ich hier in etwas reingezogen werde, bei dem es nur um Mainstream und Hits geht. Es war dann aber nicht so. Man hat uns eigentlich machen lassen."
Das bestätigt Mara Miccichè, in deren Bekannten kreis man schon fürchtete, die 23-Jährige sei an so etwas wie "MusicStar" verloren. In Wahrheit sei sie in den drei Jahren des Bachelor-Studiums in ihrer Musik "sicherer und sensibler" geworden - gerade auch darin, nicht immer nur "schön" singen zu müssen. Ihr Abschlusskonzert spielt die Gesangsstudentin mit einem zweiten Musiker an klingenden Rechenmaschinen und Spielzeuginstrumenten. Kommerz klingt anders.
TEXT: CHRISTOPH FELLMANN
QUELLE: TAGES-ANZEIGER
FOTO: THOMAS BURLA
Den kompletten Bericht findet Ihr im MUSIKER-Magazin 03/2009




